GÖG-Colloquium | Cannabisforschung und -politik

Beginn der Veranstaltung
28.06.2022 17:30 Uhr
Ende der Veranstaltung
28.06.2022 19:00 Uhr
Veranstaltungsort
online via Zoom
Foto Eva Hoch

Vortrag von Frau Priv.-Doz.in Dr.in Eva Hoch, IFT Institut für Therapieforschung und LMU Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in München

Cannabis ist die am häufigsten gebrauchte illegale Substanz weltweit. In Österreich wird wie auch in anderen europäischen Ländern aktuell eine rege Debatte um die gesellschaftliche Bewertung der Substanz Cannabis geführt. Legalisierung, kontrollierte Abgabe, Entkriminalisierung, Prohibition sind dabei die zentralen Punkte der Diskussion.

Einleitend wurde im Referat die Situation in jenen Staaten beschrieben und bewertet, die in den letzten Jahren den Umgang mit Cannabis nach unterschiedlichen Modellen legalisiert haben. Anschließend wurde, basierend auf epidemiologischen Studien, über die Verbreitung des Cannabiskonsums in unterschiedlichen Gesellschaften berichtet. Die Referentin verwies auf einige Todesfälle nachweislich verursacht durch synthetische Cannabisprodukte sowie chemisch Zusätze zu Cannabisprodukten, wobei sie aber betonte, dass keine Fälle von tödlichen Überdosierungen mit natürlichem Cannabis bekannt seien. Des Weiteren wurden auf kurzfristige und langfristige Folgen des Cannabiskonsums hingewiesen. Dabei betonte die Referentin, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Cannabis einerseits nicht ignoriert werden sollten, dass diese aber deutlich geringer anzusetzen seien, als jene durch Nikotin- und Alkoholkonsum. Außerdem wies sie darauf hin, dass viele Studien nicht experimenteller Natur sind, also auf Beobachtungdaten aufbauen, weswegen man mit dem „Henne oder Ei Problem“ konfrontiert ist; in anderen Worten; dass man bei Zusammenhängen zwischen Konsumverhalten und Problemen oft nicht beurteilen kann, ob bzw. in welchem Ausmaß diese Probleme übermäßigen Cannabiskonsum begünstigen, bzw. ob und in welchem Ausmaß diese Probleme als Folge stärkeren Cannabiskonsums zu interpretieren sind.

Frau Priv.-Doz.in Dr.in Eva Hoch ist leitende Psychologin und Leiterin der Forschungsgruppe Cannabinoide an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Seit 2022 ist sie wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Therapieforschung (IFT). Sie ist eine der profundesten Forscherinnen in puncto Cannabis und beschäftigt sich schon seit fast 20 Jahren wissenschaftlich mit den Effekten von Cannabis.

Sie ist eine der drei Herausgeberinnen der vom deutschen Bundesgesundheitsminiserum beauftragten Expertise „Cannabis: Potential und Risiko – eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme“

Von dieser Studie gibt es eine Kurzfassung (Link) sowie eine Langfassung (Link), die beide über das Internet gratis zur Verfügung stehen, und auch eine über den Buchhandel zu erwerbende gedruckte Version (Link).

Weitere Literaturhinweise: