Bericht zur Drogensituation in Österreich 2005

Der Bericht analysiert die aktuellen Entwicklungen und präsentiert vertiefend drei Schwerpunktthemen: geschlechtsspezifische Unterschiede, Drogen- vs. Suchtpolitik sowie Drogengebrauch im Freizeitbereich.

Repräsentativstudien bestätigen Drogentrends der letzten Jahre:

  • Konsumraten zu illegalen Drogen sind stabil;
  • Konsumerfahrungen gibt es am häufigsten mit Cannabis;
  • Konsum illegaler Drogen ist – im Unterschied zum Konsum legaler Suchtmittel – meist auf das Experimentieren bzw. eine begrenzte Lebensphase beschränkt;
  • Anzeigen, vor allem wegen Cannabis, und Verurteilungen haben neue Höchststände erreicht.

Es liegen erstmals seit einigen Jahren Repräsentativstudien für Gesamtösterreich vor, die auch einen Vergleich mit anderen EU-Ländern ermöglichen. In einer vom BMGF beauftragten Studie zum Konsum von legalen wie illegalen Substanzen in der Gesamtbevölkerung gab ein Fünftel der Befragten an, bereits einmal im Leben (= Lebenszeitprävalenz) eine illegale Substanz konsumiert zu haben. Es handelt sich dabei meist um Cannabis, gefolgt von Ecstasy und Amphetaminen, die sich aber viel seltener finden. Die Konsumraten für die letzten zwölf Monate (= Jahresprävalenz) sind deutlich geringer. Sie liegen nur für Cannabis (7,5 %) über einem Prozent. Dies bestätigt, dass der Konsum illegaler Drogen meist auf eine begrenzte Lebensphase bzw. auf das Experimentieren beschränkt ist.

Dies unterscheidet die illegalen Drogen deutlich von den legalen Substanzen: Bezüglich Alkohol (96,5 % Lebenszeitprävalenz, 90,2 % Jahresprävalenz) und Tabak (75,8 % Lebenszeitprävalenz, 55,1 % Jahresprävalenz) zeigen sich deutlich höhere Werte sowohl für die Lebenszeiterfahrungen als auch für den aktuellen Konsum. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen finden sich höhere Prävalenzraten. Rund dreißig Prozent geben Lebenszeiterfahrungen mit Cannabis an, rund fünf Prozent berichten über den Konsum von Ecstasy und biogenen Drogen. Die entsprechenden Werte sinken jeweils um rund die Hälfte, wenn sie auf die Jahresprävalenz bezogen werden. Auch im Rahmen der – ebenfalls vom BMGF finanzierten – Schulstudie ESPAD wurde festgestellt, dass der Anteil jener, die regelmäßig Cannabis rauchen, steigt und dass Cannabis zu einer Alltagsdroge geworden ist. Zugleich zeigt sich aber anhand der Ergebnisse dieser europäischen Studie, dass diese Entwicklungen nicht österreichspezifisch sind, sondern im europäischen Trend liegen. Österreich weist im mitteleuropäischen Vergleich sogar eine unterdurchschnittliche Konsumprävalenz von Cannabis auf, der Wert für Ecstasy liegt im Schnitt.

Während die Repräsentativstudien die Trends der letzten Jahre bestätigen und eine stabile Situation hinsichtlich des Drogenkonsums aufzeigen, ist die Anzahl der Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Suchtmittelgesetz (SMG) deutlich gestiegen. Es wurden im Jahr 2004 insgesamt 25.215 SMG-Anzeigen (2003: 22.245) verzeichnet. Starke Zuwächse gab es vor allem bei den Anzeigen für Cannabis, im geringeren Umfang auch bei Anzeigen bezüglich Kokain und Crack. Analog zu den Anzeigen ist auch die Anzahl der Verurteilungen nach dem SMG mit 5.706 Fällen (4.532 im Jahr 2003) erheblich angestiegen. Damit haben die Gesamtzahlen der Verurteilungen nach SMG und ihr Anteil an allen Verurteilungen (1995: 4,7 %; 2004: 12,6 %) neue Höchststände erreicht.

Der »Bericht zur Drogensituation« wird jährlich vom ÖBIG im Auftrag der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) und des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen (BMGF) erstellt. Er bietet einen Überblick über eine Vielzahl von Daten und Studien zu unterschiedlichen Aspekten dieses gesellschaftspolitisch bedeutsamen Themas. Weiters zeigt der Bericht auf, mit welchen – vor allem gesundheitspolitischen – Maßnahmen auf die Drogenproblematik in Österreich reagiert wird. Geschlechtsspezifische Unterschiede, Drogen- vs. Suchtpolitik sowie Drogengebrauch im Freizeitbereich stellen die diesjährigen Schwerpunktthemen dar.

Der Bericht dient auch als österreichischspezifischer Input für den jährlich von der EBDD erstellten »Europäischen Drogenbericht«.

Auftraggeber: Bundesministerium für Gesundheit und Frauen
Herausgeber: ÖBIG
Erscheinungsort: Wien
Erscheinungsjahr: 2005
ISBN: 978-3-85159-079-1 (deutsche Verison)
Umfang: 127 Seiten, 31 Tabellen, 15 Abbildungen, 3 Karten
Kostenersatz: € 10,00
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