GÖG-Colloquium "Integrierte Versorgung", 14.12.2016

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Florian Bachner, Ellen Nolte, Herwig Ostermann

Ellen Nolte, eine der führenden Wissenschafterinnen im Bereich Public Health, war im Dezember Gast beim GÖG-Colloquium zum Thema Integrierte Versorgung - Prinzipien und Erfahrungen. In ihrem Vortrag ging sie auf die komplexen Problemstellungen von Gesundheitssystemen und die damit verbundene Notwendigkeit einer nachhaltigen Transformation der gesundheitlichen Versorgung ein.

Im Zentrum integrierte Versorgung stehen meist multimorbide und/oder chronisch erkrankte Personen, deren Bedürfnisse sich grundlegend von jenen akut erkrankter Patientinnen/Patienten unterscheiden und eine vielschichtigere sowie sektorenübergreifende Integration notwendig machen. Der Grad dieser Integration sollte in Abhängigkeit zu den Patientenbedürfnissen steigen.

Die vorliegende Evidenz zeigt meist verbesserte klinische Ergebnisse bei Patientinnen/Patienten, die an integrierten Versorgungsmodellen teilnehmen. Die Evidenzlage ist jedoch nach wie vor in vielen Bereichen mangelhaft. So gibt es etwa nur wenig Nachweise für eine verbesserte Kosteneffektivität. Dies darf jedoch nicht fälschlicherweise als Wirkungslosigkeit interpretiert werden. Vielmehr ist es so, dass innovative Versorgungsmodelle oftmals nicht oder nur unzureichend evaluiert werden. Problematisch ist auch die Interpretation von Studien, die kein oder ein ungeeignetes Kontrolldesign verwenden. In vielen Ländern fehlen generell eine allgemeine Evaluationskultur und entsprechende Kapazitäten.

Um eine Transformation hin zu einer integrierten Versorgung einzuleiten bedarf es zahlreicher Erfolgsfaktoren und Voraussetzungen. Zunächst gilt es, die existierende Versorgungssituation systematisch zu analysiert, um die Komponenten, die die größten Barrieren für die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Leistungen darstellen, zu erfassen. Im Fokus dieser Analyse sollten mögliche Ineffizienzen, Zugangsbarrieren und alternative, kosteneffektive Modelle stehen. Zentral ist auch die Frage nach dem Potenzial verschiedener Interventionen, individuelle Verhaltensweisen erfolgreich zu modifizieren.

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist überdies ein hoher Grad an politischem Committment und die damit verbundene Unterstützung, um die identifizierten Problemlagen zu überwinden und ausreichend Ressourcen für die Transformation zu gewährleisten. Auch Finanzierungs- und Honorierungssysteme sollten fördernde Anreize setzen. Entscheiden ist weiters die frühzeitige und umfassende Einbeziehung der Akteure, insbesondere der Gesundheitsberufe.

Ellen Nolte, MPH, PhD, koordiniert die Londoner Forschungsbüros des European Observatory on Health Systems and Policies an der London School of Economics and Political Science (LSE) und der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM). Sie hat ebenfalls eine Honorar-Professur an der LSHTM inne.

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button_download_PA.gif Präsentation "Integrierte Versorgung: Prinzipien und Erfahrungen", Nolte, E.


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