Versorgung von weiblichen Gewaltopfern, 15.03.2010

Gesundheitliche Versorgung gewaltbetroffener Frauen
Ein Leitfaden für Krankenhaus und medizinische Praxis

Häusliche Gewalt macht krank. Viele der weiblichen Gewaltopfer klagen neben den akuten körperlichen und seelischen Verletzungen auch über chronische, psychische und psychosomatische Beschwerden. Frauen, die häusliche Gewalt erleben, verschweigen das Erlebte oft und ertragen die Gewalt über Jahre – aus Scham- und Schuldgefühl, aus Angst vor einer Eskalation, aus Sorge um die Kinder, aufgrund von ökonomischen Schwierigkeiten. Aus all diesen Gründen scheuen sie sich, z. B. Anzeige bei der Polizei zu erstatten oder eine Beratungsstelle aufzusuchen.

Jedoch nehmen nahezu alle Frauen das Gesundheitssystem in Anspruch, um ihre Verletzungen versorgen oder Folgebeschwerden behandeln zu lassen. Im Erkennen von Gewalterfahrungen kommt deshalb den Beschäftigten des Gesundheitssystems, insbesondere in den Notfallambulanzen sowie in den allgemeinmedizinischen und gynäkologischen Praxen, eine wichtige Rolle zu. Die Reaktion medizinischer und pflegerischer Fachkräfte entscheidet häufig über den weiteren Weg der Frauen. Für fast alle Berufsfelder im Gesundheitswesen ist es noch immer ein Problem, mit Gewaltfolgen umzugehen. Bei akuten körperlichen und seelischen Verletzungen, chronischen, psychischen und psychosomatischen Beschwerden ist Gewalt als Auslöser schwer zu erkennen, weshalb oft nur unzureichend behandelt wird. Im Sinne einer angemessenen Versorgung ist es wichtig, dass der Blick für gesundheitliche Folgen von Gewalt geschult wird und der Zusammenhang zwischen Gewalt und Gesundheitsproblemen in Anamnese, Diagnostik und Behandlung mehr Beachtung findet.

Der vorliegende Leitfaden bietet eine Fülle von Informationen und konkreten Handlungsanleitungen für den Umgang mit gewaltbetroffenen Frauen. Darin enthalten sind ausführliche Informationen,

  • wie Verletzungen und gesundheitliche Folgeschäden zu diagnostizieren und angemessen zu behandeln und zu dokumentieren sind, damit die Frau diese Dokumentation bei Anzeigenerstattung ggf. als »gerichtstaugliches« Beweismittel nutzen kann,
  • wie das Gespräch mit den Patientinnen sensibel gestaltet werden kann,
  • an welche weiterführenden Beratungsangebote (wie z. B. das nächste Frauenhaus oder eine Frauenberatungsstelle) verwiesen werden kann,
  • welche Interventionen möglich sind und wie sie gestaltet werden müssen, um weiterer Gewalt vorzubeugen und Opfer in ihrer Eigenständigkeit und Selbstbestimmung zu unterstützen.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend hat die Gesundheit Österreich GmbH / Geschäftsbereich ÖBIG gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Ärzteverbände, der Ärztekammer, Mitarbeiterinnen aus frauenspezifischen Einrichtungen sowie weiteren Expertinnen aus dem Gesundheitswesen und verschiedenen Bundesministerien den vorliegenden Leitfaden erstellt.

download Leitfaden »Gesundheitliche Versorgung gewaltbetroffener Frauen« (PDF)
download Untersuchungsbögen (erweiterte Verletzungsdokumentation, Sexualdelikt)
download Untersuchungsbogen für die erweiterte Verletzungsdokumentation
download Untersuchungsbogen für Opfer nach Sexualdelikt

link extern Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (»Gewalt in der Familie«)
 

Aktuelles & Veranstaltungen

GÖG-Jahresbericht online. Der Jahresbericht 2015 der Gesundheit Österreich ist als PDF-Download verfügbar. mehrmehr



Aktuelles/Archivmehr
Veranstaltungen/Archivmehr