Drogenbericht 2016, 26.01.2017

Drogenbericht 2016: Veränderungen bei den Rahmenbedingungen

Die Gesundheit Österreich GmbH erstellt im Auftrag der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) und des Gesundheitsministeriums alljährlich einen Bericht zur Drogensituation in Österreich. Der soeben erschienene Drogenbericht 2016 bietet einen Überblick über aktuelle Entwicklungen bezüglich der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die epidemiologische Situation sowie Maßnahmen der Nachfragereduktion im Berichtszeitraum 2015. Dabei zeigt sich, dass die Zahl der Einsteigerinnen und Einsteiger in den risikoreichen Opioidkonsum weiter rückläufig ist, während die Zahl der drogenbezogenen Todesfälle erstmals seit Jahren ansteigt.

Neue Österreichische Suchtpräventionsstrategie

Anfang 2016 wurde die neue „Österreichische Suchtpräventionsstrategie - Strategie für eine kohärente Präventions- und Suchtpolitik“ vom Ministerrat beschlossen. Sie bezieht sich sowohl auf legale und illegale Suchtmittel als auch auf substanzungebundenes Suchtverhalten und bildet einen Orientierungsrahmen über alle zum Thema Sucht gesetzten Aktivitäten in Österreich und deren Weiterentwicklung. Die neue Österreichische Suchtpräventionsstrategie folgt dem „Health in All Policies“-Ansatz, d.h. es wird berücksichtigt, dass Maßnahmen in verschiedensten Politikfeldern einen Einfluss auf die Gesundheit (und in diesem Fall die Entwicklung eines Suchtverhaltens) haben. Das Gesundheitsministerium ist für die begleitende Koordination der Umsetzung zuständig.


Änderungen des Suchtmittelrechts

Mit Anfang 2016 sind Änderungen des SMG in Kraft getreten. Im Fall von persönlichem Gebrauch erfolgt anstelle einer Strafanzeige eine Meldung an die Gesundheitsbehörde zur Abklärung der Notwendigkeit von gesundheitsbezogenen Maßnahmen. Damit wurde das Prinzip „Therapie statt Strafe“ maßgeblich erweitert, ohne dass sich hinsichtlich der Strafbarkeit etwas geändert hat. Die Gesundheitsbehörde muss nur bei mangelnder Kooperation der betroffenen Person die Justiz mit dem Fall befassen. Die gesundheitsbezogene Begutachtung soll damit rascher als bisher stattfinden und die Justiz entlastet werden. Um die Bekämpfung von Drogenhandel zu unterstützen wurde Mitte 2016 der Straftatbestand Handel mit Suchtgift im öffentlichen Raum eingeführt. Dieser ermöglicht eine Festnahme sowie die Verhängung von Untersuchungshaft und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden.


Weniger Einsteiger/innen in den risikoreichen Opioidkonsum

Opioidkonsum – meist in Kombination mit anderen Substanzen – stellt den weitaus größten Teil des risikoreichen Drogenkonsums in Österreich dar. Aktuell konsumieren zwischen 29.000 und 33.000 Personen Drogen unter Beteiligung von Opioiden. Alle verfügbaren Daten aus dem Drogenmonitoring legen einen starken Rückgang des risikoreichen Opioidkonsums bei der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre nahe, es gibt also weniger Einsteigerinnen und Einsteiger. Ob dies einen Rückgang des illegalen Suchtmittelkonsums insgesamt oder eine Verlagerung auf andere Substanzen bedeutet, kann derzeit nicht gesagt werden. Es gibt jedoch keine Anzeichen für einen zunehmenden Konsum von Neuen psychoaktiven Substanzen (NPS), es liegen lediglich Hinweise auf einzelne lokale Methamphetaminszenen vor.

Nach einigen Jahren des Rückgang ist nun wieder von einem Anstieg der drogenbezogene Todesfälle zu berichten: von 122 Todesfällen im Jahr 2014 auf 153 Todesfälle im Jahr 2015. Das mittlere Sterbealter (gruppierter Median) betrug im Jahr 2015 33 Jahre. Unerwartet hoch dosierte Ecstasy Tabletten haben 2015 zu einigen Todesfällen geführt.

Ein Teil der derzeit verfügbaren Daten zur Verbreitung von Hepatitis C bei Personen mit intravenösem Drogenkonsum zeigt nach wie vor sehr hohe Werte von bis zu 79 %. Hepatitis C stellt bei intravenös Konsumierenden demnach ein gravierendes Problem dar, während sich die Zahlen zu HIV weiterhin auf einem niedrigen Niveau (zwischen 0 und 9 Prozent) bewegen.

Cannabis-Konsum nach wie vor am weitesten verbreitet

Cannabis ist nach wie vor die einzige illegale Droge mit einer nennenswerten Verbreitung. Aktuelle Studienergebnisse zeigen sowohl für die Gesamtbevölkerung als auch bei Jugendlichen keine wesentlichen Veränderungen im Konsumverhalten. Die Einnahme von Stimulantien (insbesondere Kokain) bleibt stabil auf niedrigem Niveau. Der Konsum neuer psychoaktiver Substanzen spielt kaum eine Rolle.

Erfolgreiche Suchtprävention

Der Schwerpunkt der Suchtprävention liegt in Österreich schon lange auf dem Bereich der legalen Substanzen. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren weiter verstärkt. Insgesamt steht der Ausbau von Multiplikatorenschulungen im Vordergrund, d. h. der Unterstützung jener Personen, die mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt sind und Einfluss auf deren Überzeugungen und Verhaltensweisen ausüben können. Die bewährten Programme Eigenständig werden, plus und MOVE werden weiterentwickelt. Neue Studien bestätigen den Bedarf an gezielten Maßnahmen und stärkerer Kooperation verschiedener Sektoren, um Jugendliche mit einem problematischen Substanzkonsum an der Schnittstelle von Ausbildung und Arbeitsmarktintegration besser unterstützen zu können. Neue Angebote nutzen verstärkt digitale Medien für die Arbeit mit Jugendlichen oder versuchen Eltern mit Migrationshintergrund besser zu erreichen.

Hoher Anteil an Personen mit problematischem Opioidkonsum in Behandlung

Im Jahr 2015 waren in Österreich etwa 23.250 Personen in drogenspezifischer Behandlung. Den größten Anteil machen Personen mit Opioid-Problematik aus (etwa 19.700 Personen). Damit befinden sich über 60 Prozent der Personen mit problematischem Opioidkonsum in Behandlung. Die Anzahl der Opioidabhängigen in Substitutionsbehandlung ist im vergangenen Jahr zwar weiter gestiegen, der Anstieg fiel jedoch im Unterschied zu den Vorjahren relativ gering aus. Waren im Jahr 2014 17.272 Personen in Substitutionsbehandlung, so stieg ihre Zahl 2015 weiter auf 17.599.

Das Hauptaugenmerk in der Weiterentwicklung der Suchtbehandlung liegt auf integrierten Konzepten und regionaler Vernetzung sowie der Erstellung von Leitfäden, Merkblättern und anderen Instrumenten zur Verbesserung von Inanspruchnahme oder Abläufen in der Suchtbehandlung.

Zahl der Anzeigen steigt, die Zahl der Verurteilungen bleibt gleich

Die Zahl der Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz betrug im Jahr 2015 32.907. Der Zuwachs ist wieder weitgehend auf Anzeigen in Zusammenhang mit Cannabis (27.127) zurückzuführen. Auch die Zahl der Sicherstellungen von Cannabis ist gestiegen, es wurde aber auch wieder mehr Kokain, Amphetamin, Ecstasy, und Heroin sichergestellt. Allerdings spiegeln diese Daten im Wesentlichen die Aktivitäten der Sicherheitsbehörden wieder.

Die Anzahl der Verurteilungen nach dem Suchtmittelgesetz verläuft seit einigen Jahren weitgehend stabil. Dies gilt auch für die meisten der gesetzlich vorgesehenen Alternativen zur Bestrafung, während der vorläufige Rücktritt von der Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft seit 2007 kontinuierlich ansteigt.

download Bericht zur Drogensituation 2016 (Null-Fehler-PDF-File, 3 MB)
download Epidemiologiebericht Drogen 2016 (Null-Fehler-PDF-File, 1 MB)
download Epidemiologiebericht Drogen 2016 Annex (Null-Fehler-PDF-File, 1 MB)
download Die Drogensituation in Österreich (Powerpointpräsentation)






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