Bericht zur Drogensituation in Österreich 2008

Neben den aktuellen Entwicklungen steht 2008 das Thema Verurteilungsstatistiken im Zusammenhang mit Drogendelikten im Mittelpunkt des diesjährigen Berichts.

Im Berichtszeitraum wurde das Suchtmittelgesetz (SMG) novelliert. Die SMG-Novelle 2007 befasst sich vorrangig mit – im Verantwortungsbereich des Justizministeriums liegenden – geänderten Strafbestimmungen und trat am 1. Jänner 2008 parallel zur StPO-Novelle in Kraft. Der Stellenwert von Maßnahmen der Diversion (Alternativen zur Strafverfolgung und Modell »Therapie statt Strafe«) wurde durch einen weiteren Ausbau bzw. eine noch bessere Verankerung (zwingende statt fakultative Regelungen) weiter gestärkt.

Eine Analyse der Prävalenzschätzungen seit dem Jahr 2001 lässt darauf schließen, dass der problematische Drogenkonsum in Österreich bis 2004 stark angestiegen ist, seither jedoch stabil bleibt bzw. leicht zurückgeht. Besonders deutlich ist diese Entwicklung bei den jüngeren Altersgruppen zu beobachten. Die aktualisierte Prävalenzschätzung des problematischen – meist polytoxikomanen – Konsums mit Beteiligung von Opiaten weist für das Jahr 2007 rund 22.000 bis 33.000 betroffene Personen in Österreich aus.

Ein weiteres Indiz in Richtung Stabilisierung bzw. Rückgang des problematischen Drogenkonsums stellt die Tatsache dar, dass 2007 die Anzahl der suchtgiftbezogenen Todesfälle (2006: 197, 2007: 175) erstmals wieder gesunken ist und damit der bis 2006 beobachtete Anstieg unterbrochen wurde. Das Durchschnittsalter der verstorbenen Personen ist 2007 erstmals wieder gestiegen, nachdem es bis 2006 kontinuierlich gesunken war. Auch dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass in letzter Zeit weniger (junge) Personen in den problematischen Drogenkonsum eingestiegen sind. Da die Anzahl an suchtgiftbezogenen Todesfällen aus statistischer Sicht gering ist, werden erst die nächsten Jahre zeigen, ob es sich um einen rückläufigen Trend handelt.

Im Behandlungsbereich dominieren Opiate als vorrangige Problemdroge (»Leitdroge«) stark, während Kokain nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ein relativ großer Anteil an Personen gibt als Applikationsform von Heroin das Sniffen an. Mit steigendem Alter der Klientel geht das Sniffen zugunsten der intravenösen Applikation zurück. Vertiefende Analysen zeigen, dass es einem nicht unerheblichen Teil der Personen mit Leitdroge Heroin über mehrere Jahre gelingt, nicht auf den intravenösen Drogen­konsum umzusteigen. Schadensminimierende Angebote zur Verhinderung des Umstiegs auf die wesentlich riskantere intravenöse Applikationsform wären von großer Bedeutung.

Das seit 1998 geltende und zuletzt im Jahr 2007 novellierte Suchtmittelgesetz (SMG) bildet den zentralen Rahmen der österreichischen Drogenpolitik. Das Gesetz differenziert vorrangig nach Menge und nicht nach Art des Suchtgifts, wobei ein breites Spektrum von Alternativen zur Bestrafung von Verstößen zur Verfügung steht. Sowohl die Anzahl der Anzeigen nach dem SMG als auch der Verurteilungen und der Alternativen zur Bestrafung ist bis 2005 stark gestiegen und seither aber rückläufig. Allerdings hat die Anzahl an Verurteilungen im Gegensatz zu den Alternativen zur Bestrafung von 2006 auf 2007 wieder leicht zugenommen. 67 Prozent aller Verurteilten (2006: 66 %) erhielten Freiheitsstrafen, wobei der Anteil der bedingten Freiheitsstrafen an allen Freiheitsstrafen 47 Prozent betrug (2006: 44 %) und damit im Vergleich zu den Vorjahren weiter leicht angestiegen ist. Der Anteil der Jugendlichen, die zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden, beträgt 3,4 Prozent.

Der »Bericht zur Drogensituation« wird jährlich im Auftrag der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) und des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend (BMGFJ) erstellt. Er bietet einen Überblick über eine Vielzahl von Daten und Studien zu unterschiedlichen Aspekten dieses gesellschaftspolitisch bedeutsamen Themas. Weiters zeigt der Bericht auf, mit welchen – vor allem gesundheitspolitischen – Maßnahmen auf die Drogenproblematik in Österreich reagiert wird. Verurteilungsstatistiken im Zusammenhang mit Drogendelikten stellt das diesjährigen Schwerpunktthema dar. Der Bericht dient auch als österreichischer Input für den jährlich von der EBDD erstellten »Europäischen Drogenbericht«.

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Auftraggeber: Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend
Herausgeber: Gesundheit Österreich GmbH / Geschäftsbereich ÖBIG
Erscheinungsort: Wien
Erscheinungsjahr: 2008
ISBN: 978-3-85159-115-6
Umfang: 143 Seiten, 41 Tabellen, 23 Abbildungen, 3 Karten
Kostenersatz: € 12,00
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